21st Century Breakdown

"Kennst du den Feind?", schmettert ein wütender Billy Joe Armstrong dem Hörer entgegen und geizt nicht mit der Antwort: Der Feind, das sind Politiker, Manager, die Unterhaltungsindustrie oder Pharma-Hersteller. In wütenden, krakeligen Schmierereien präsentieren uns Green Day ihre Kritik an bestehenden Zuständen.

Dass Herr Armstrong nicht gut auf die Ära Bush und ihr Erbe zu sprechen ist, wissen wir nicht erst seit dem letzten Album "American Idiot". Um so bemerkenswerter lesen sich die Lyrics: Banalitäten, Dualismen und eine billige christliche Leidens- bzw. Heilsmetaphorik, wohin das Auge reicht. Die Sprache des "Feindes" bildet das Wortgerüst.

Green Days Protagonisten Gloria und Christian schlagen sich als Paar durch die Wirren und Verirrungen, die unser frisch begonnenes Jahrhundert zu bieten hat. Die Story ist lose und bekommt ihren Zusammenhalt eher durch die Wahl einer übergeordneten Thematik, die jedoch wieder so weit gefasst ist, dass jeder Song auch für sich stehen kann.

Das gleiche gilt für die Musik. Die latente Leitmotivik – die Radioansprache und die Pianoakkorde tauchen am Ende wieder auf - und ein paar Übergänge zwischen den Songs dienen als roter Faden. Die angerissenen Stile erstrecken sich von Punk, Rock, Pop, Glam bis hin zu Prog.

Die Wut auf das Establishment drücken andere Bands wesentlich authentischer aus. Da wären nur Gallows'-Haudraufattacken gegen die britische Verschrobenheit und Weltfremdheit zu nennen, gegen die das martialisch betitelte "Christians Inferno" wie eine Begleitung zum Geschenke verpacken wirkt. Ein in Happyness ersaufender Refrain als Zustandsbeschreibung eines wütenden Menschen? Das passt einfach nicht zusammen.

Bei "Peacemaker" symbolisiert die Musik gesetzlose Prärie. "Last Of The American Girls" versprüht E-Street-Band-Flair und geht in der Art eines Morse-Codes nahtlos in das grandiose "Murder City" über, dass die Schattenseiten der Individualisierung inmitten einer großen Metropole besingt: Vereinsamung, Drogenmissbrauch und Egoismus sind die trostlose Folge.

Im dramatischen "Restless Heart Syndrome" besingt Billy Joe im Stile John Lennons die Einsicht in das eigene Scheitern, die Ausweglosigkeit der Situation und die Erkenntnis, dass nur Hilfe von außen Rettung bringen kann. Am Ende ist man sich selbst der schlimmste Feind.

Es folgen coole Nummern wie "The Static Age" mit seinem griffigem Refrain, einer interessanten harmonischen Wendung und den hypnotischen Strophengitarren, die zwischen Lead und Rhythmus oszillieren. Unbedingt zu erwähnen: Der Titelsong, der als kleiner Bruder von "Jesus Of Suburbia" alle Freunde komplexer Songstrukturen erfreut, aber gleichzeitig jedes liebgewonnene Green Day-Trademark bedient.

2009 haben Green Day einen Sack voll "Boulevard Of Broken Dreams"-Balladen, "Basket Case"-Dampframmen und ordentlich Standard-Rock im Gepäck. Der Geist der Beatles fährt in den Pianisten und mündet gelegentlich in hitkompatiblem Stadionrock.

Green Day liefern teilweise richtig gute Arbeit ab, schreiben aber auch einer seit dem 2004er-quasi-Comeback neu entstandenen Teenie-Zielgruppe nach dem Mund. Da prallen künstlerischer Anspruch und der Wunsch nach Authentizität aufeinander und hinterlassen ein solides, aber diskussionswürdiges Album der Kalifornier.

TRACKLISTE

Song Of The Century
21st Century Breakdown
Know Your Enemy
¡Viva La Gloria!
Before The Lobotomy
Christians Inferno
Last Night On Earth
East Jesus Nowhere
Peacemaker
Last Of The American Girls
Murder City
¿Viva La Gloria? (Little Girl)
Restless Heart Syndrome
Horseshoes And Handgrenades
The Static Age
21 Guns
American Eulogy (Mass Hysteria/Modern World)
See The Light

Mehr Musik gibt es auf www.laut.de

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