International Superhits
Als ein kalifornisches, ungehobeltes Trio nach zwei Indie-Veröffentlichungen sein erstes Major-Album Dookie vorlegte, glich das einer Auferstehungszene in einer Hollywood-Inszenierung. Punk, seit 1978 immer wieder endgültig totgesagt, entließ seine Kinder in das wahre Leben. GREEN DAY betraten rotzmäulig die Chartszenerie und bewarfen die Öffentlichkeit mit ..., nun ja, wir wollen die Sache beim Namen nennen - Scheiße. Nichts anderes bedeutete Dookie, und das Albumcover ließ keinen Zweifel daran, dass das auch wirklich so gemeint war. Die Folge war: Punk war wieder da, etwas augenzwinkernder als in der Generation zuvor, etwas blankgeputzter die Nieten an der Jacke, etwas gehaltvoller die Riffs auf den Gitarren.
Wir wollen nicht übertreiben - Punk gab es und gibt es und wird es immer geben, jedoch waren es GREEN DAY, die ihre Haufen groß und unübersehbar in das von Techno und Remakes verseuchte Establishment setzten und die live keine Ekelschwelle akzeptierten - und bis heute nicht tun. Die Fans lieben sie dafür, auch wenn GREEN DAY sich nach knapp zehnjährigem Gitarrenmarathon durchaus in Richtung „erwachsene Songwriter“ entwickelt haben. Das letzte Album Warning: spricht da eine deutliche Sprache. Und nun, da die Herren in die Jahre kommen, kann man doch mal ein Best Of-Album wagen. Oder? Ja, kann man. Sollte man sogar.
International Superhits heißt das gute Stück, und der Titel ist gar nicht so ironisch wie man denken könnte, berücksichtigt man, dass viele der GREEN DAY-Singles bestes Radio-Powerplay erreichten, Dookie allein 12-faches Platin einspielte und jedes ihrer Alben hoch in die US-Charts einsteigt. International Superhits ist dementsprechend vollgepackt mit Hits und Songs, die Hits hätten werden müssen. Neben zwei brandneuen Songs, einer davon trägt den Titel Maria, wartet International Superhits mit sage und schreibe 19 weiteren Songs auf, nämlich Longview, Welcome To Paradise, Basketcase, When I Come Around (letztere drei wahrhaft internationale Superhits) und She aus dem Durchbruchsalbum Dookie (1994) sowie dem B-Seiten-Track JAR. Aus dem 95er Album Insomniac haben die Jungs Geek Stink Breath, Brain Stew, Jaded und Walking Contradiction ausgesucht, vom 97er Nimrod. stammen Hitchin‘ A Ride, Time Of Your Life (Albumtitel: Good Riddance), Redundant und Nice Guys Finish Last. Das großartige Beat-beeinflusste Album Warning: trug den GREEN DAY-Wahlkampf/Punkstatement-Song Minority bei sowie Warning, Waiting und Macy’s Day Parade. Und damit ist die GREEN DAY Erste-Hilfe Grundausstattung beisammen!
Die Eckdaten der GREEN DAY-Erfolgsstory sind wohlbekannt. Die Wurzeln reichen bis ins Gründungsjahr 1989 in die kalifornische Universitätsstadt Berkeley zu¬rück. Die beiden Schul¬freunde Billie Joe Armstrong und Mike Dirnt taten sich mit Tré Cool zusam¬men und nahmen ihre ersten beiden Singles 1000 Hours und Slappy auf. Be¬reits das erste Album 39/Smooth (1990) machte die Band auch überregional bekannt. Auf Kerplunk (1992) entwarf das Trio dann die Blaupause für den Welterfolg ihres Albums Dookie (1994). Bei den Grammy-Verleihungen 1995 erhielten GREEN DAY dafür den Award für die "Beste Alternative Performance". Konstantes Radio-Powerplay für alle Single-Auskopplungen (und viele Album-Tracks) etablierte die Band als Spitzenreiter ihres Genres im US-Radio. MTV no¬minierte die Band gleich dreimal bei seinen "MTV Awards". Bis heute konnte Dookie sattes 12-faches Platin einspielen. 1995 ließen sie Insomniac folgen, das sich in den US-Charts einen sicheren 2. Platz sicherte, bis sie mit dem 1998er-Album Nimrod. einen gekonnten Schwenk in Richtung Punkabilly und relaxtes Songwriting taten. Warning: wagte dann den stilistischen Reifeschritt nach vorn. Das Album ist - obwohl nicht ihr erfolgreichstes - mit Abstand ihr gelungenstes und souveränstes, indem es, furchtlos etwaiger Vorwürfe aus der Punkecke gegenüber, eben nicht rücksichtslos durchbrettert, sondern durchdachtes Songwriting mit herausragenden Popmelodien á la Beach Boys, Beatles und Buzzcocks liefert. Auf jeden Fall zeigt es, dass GREEN DAY wandlungsfähig und entwicklungsfreudig sind.
Ein guter Moment, um kurz Luft zu holen und einen Blick zurück zu wagen.
Trackliste
- Maria
- Poprocks & coke
- Longview
- Welcome to paradise
- Basket case
- When I come around
- She
- J. A. R. (Jason Andrew Relva)
- Geek stink breath
- Brain stew
- Jaded
- Walking contradiction
- Stuck with me
- Hitchin' a Ride
- Good riddance (Time of your life)
- Redundant
- Nice guys finish last
- Minority
- Warning
- Waiting
- Macy's Day Parade
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